Paris
, 25. September 2016
Mode nicht von dieser Welt

Die Couture – ein aussterbendes Geschäft?

War die Haute Couture seit den 60er Jahren schon mehrmals totgesagt, glaubte man zu Zeiten der Wirtschaftskrise tatsächlich, dass niemand mehr die aus luxuriösen Materialien in Handarbeit gefertigten Mode-Kreationen möchte. Renommierte Modehäuser verzeichneten einen starken Rückgang in ihrem obersten Preissegment.

x-working Unzählige Perlen stundenlang von Hand genäht - das von Haute Couture.
Unzählige Perlen stundenlang von Hand genäht - das von Haute Couture.

In diesen Zeiten der Wirtschaftskrise erfand sich die Couture dennoch neu. Die Zeit wurde in Metaphern auf die Mode abgelegt – knappe Rocklängen, durchsichtige Bleistiftröcke – so etwas sah man 2009 auf den kleiner gewordenen Haute Couture Schauen in Paris.

Heute ist das wieder anders. Dabei haben sich die Regeln, um als Designer Haute Couture-Status zu erlangen, nicht geändert. Die „Chambre Syndicale“ bestimmt auch heute noch, dass ein Haus maßgeschneiderte Kollektionen für Privatkunden anbieten muss, die in einem Atelier in Paris von mindestens 15 Handwerkern gefertigt werden und mit mindestens 35 Looks zweimal pro Jahr während der Couture-Schauen präsentiert werden. Nur noch 14 Modehäuser praktizieren Haute Couture weltweit.

Für die Herbst / Winter-Kollektion 2015/2016 luden die Chefdesigner von „Valentino“ Maria Grazia Chiuri und Pier Paolo Piccoli nicht wie üblich nach Paris, sondern präsentierten ihre Haute Couture in Rom. Das Duo präsentierte 59 Looks als eine Hommage an die ewige Stadt. Es wurden Kleider gezeigt, die an Kardinalsroben erinnern, die die Bögen des Kolosseums und antike Mosaikböden zitieren oder Kleider wie Lorbeerkränze, Erinnerungen an Gladiatorinnen oder römische Göttinnen wurden geweckt. Allen Looks ist dabei die atemberaubende Handwerkskunst anzusehen.

Der Unique Seeling Point der Haute Couture ist darauf zurück zu führen, dass die Schneiderkunst in der Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Vom technischen Fortschritt unberührt, arbeiteten die Schneider genauso lange an einem Entwurf wie bereits vor 60 Jahren. Demzufolge kann man sagen, dass Karl Lagerfeld in diesem Jahr mit Chanel eine Revolution greifbar macht: Er verwendete für seine Haute Couture-Entwürfe eine neue 3D-Technik, deren Prozesse er auf seiner Show genau erklärt. Und auch wenn diese Innovation auf den ersten Blick in den Kollektionen nicht zu erkennen ist, ergeben sie sich im Detail, beim Fühlen und Tragen der Stücke. Die Entwürfe sind klassisch Chanel: knielange Röcke, Kleider in leichter Tulpenform, kastige Mäntel. Mit der neuen Technik werden allerdings Entwürfe geschaffen, die ohne Nähte auskommen. So entwickelt sich Mode der Haute Couture eben doch weiter – auch wenn sie nicht von dieser Welt zu sein scheint.

© 2016 – x-working

Wähle Artikel

x-working Kunstmagazin - das Redaktionsteam

Diese Autoren und Übersetzer schreiben für das x-working Kunstmagazin:

Profile picture for user sonja_bachmann
Sonja
Bachmann
Profile picture for user sonja.bachmann
Sonja
Bachmann
Literarische Kunst
Profile picture for user Eugenia
Eugenia
Kistereva
Zeichnen
Profile picture for user giuliana_koch
Giuliana
Koch
Literarische Kunst
Profile picture for user mercedes_llorente
Mercè
Llorente
Literarische Kunst
Profile picture for user Giulia
Giulia
Mi
Schauspielkunst
Profile picture for user annelie_neumann
Annelie
Neumann
Literarische Kunst
Profile picture for user Daria_Ivanova
Дарья
Иванова
Literarische Kunst