Paris
, 17. April 2017
Geschichte, Mythologie und die Identität Deutschlands

Anselm Kiefer

Er ist der bekannteste und erfolgreichste Künstler der Gegenwart aus Deutschland. Seine Arbeiten werden in vielen Museen Europas, Japans und den USA ausgestellt. Nun zeigt eine Pariser Werkschau im Rodin-Jubiläumsjahr die Verbindung zwischen dem Deutschen Anselm Kiefer und dem Franzosen Rodin.

x-working Abbild der Leo-Baeck-Medaille - Anselm Kiefer wurde die Leo-Baeck-Medaille verliehen
Abbild der Leo-Baeck-Medaille - Anselm Kiefer wurde die Leo-Baeck-Medaille verliehen

Anselm Kiefer wurde 1945 im Baden-Württembergischen Donaueschingen geboren. Sein Kunststudium absolvierte er als Schüler von Horst Antes in Karlsruhe und Joseph Beuys in Düsseldorf. Unter dem Einfluss von Beuys kam seine Vorliebe für verachtete Materialien zum Vorschein. Kiefer arbeitet gerne mit Blei, Asche oder Stoffen. Die bevorzugte Farbe für seine monumentalen Arbeiten ist grau, die „Farbe des Zweifels“.

In seinen früheren Werken beschäftigt sich Kiefer hauptsächlich mit Themen der deutschen Geschichte und Kultur, vieles drehte sich um den Nationalsozialismus und die Zerstörung der jüdischen Kultur. Überlieferte Mythen, Bücher und Bibliotheken gehörten zu seinen Inspirationsquellen. In den späteren Werken beschäftigte sich der Maler und Bildhauer vorzüglich mit Mythenkreisen der jüdisch-christlichen, ägyptischen und orientalischen Kulturen.

1992 ging Anselm Kiefer dann neue Wege. Er brach seine Zelte im Odenwald ab. „Das Verlassen eines Landes ist eine Art Hygiene“, sagte er einmal in einem der seltenen Interviews aus dieser Zeit. Kiefer ließ die Malerei drei Jahre ruhen und reiste durch Nepal, Thailand, China, Australien und Mexiko. Zurück in Europa, ließ er sich in Frankreich nieder. Dort unterhielt er zunächst in Barjac ein Atelier auf einem großen Industriegelände einer ehemaligen Seidenfabrik. Seit 2008 bezieht er ein Atelier im Pariser Vorort Croissy-Beauborg. In den Lagerhallen des ehemaligen Kaufhauses betreibt er seine Kunst auf 36.000 Quadratmetern.

Das Letzte was man nun von Kiefer hörte, war die fehlgeplante Ausstellung in China, von der sich der Künstler eindeutig distanzierte. Die Hamburger Kunstfirma Bell Art Center und die Kuratorin Beate Reifenscheid legten ihre Privatsammlungen für die Werkschau „Kiefer in China“ zusammen. Die chinesischen Veranstalter gingen allerdings davon aus, dass sie auch mit dem Künstler selbst zusammen arbeiten würden. Kiefer dementierte jedoch und gab vor, sich „vergewaltigt zu fühlen und wie ein toter Künstler behandelt zu werden“.

Für die vom 14. März bis 22. Oktober 2017 laufende Schau im Museum Rodin in Paris läuft aber alles wie geplant. Auch wenn Kiefer und Rodin auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, so ähnelt sich doch ihr Kreativprozess. Kiefer hat für die Ausstellung viele Werke neu geschaffen und überarbeitet. Ein Besuch lohnt sich!

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