Stuttgart
, 05. April 2017
Interview mit dem Galeristen Walter Johannes Steyer

stuttgARTandDESIGN

Wir sind heute in Stuttgart bei der Galerie stuttgARTandDESIGN eingeladen. Der Galerist Walter Johannes Steyer steht uns für ein exklusives Interview in seinen Galerieräumen Rede und Antwort.

x-working Von links nach rechts: Sonja Bachmann, Walter Johannes Steyer, Gabi Fürst
Von links nach rechts: Sonja Bachmann, Walter Johannes Steyer, Gabi Fürst

XW: Herr Steyer, vielen Dank, dass wir das Interview heute mit Ihnen führen dürfen. Sie leiten bereits seit 2010 die Galerie StuttgArtandDesign. Wie kam es zu der Entscheidung, eine eigene Galerie zu eröffnen?
Steyer: Zunächst einmal herzlich Willkommen. Ich freue mich, dass Sie heute den Weg auf sich genommen haben nach Stuttgart zu kommen und mich hier in meiner Galerie besuchen. Die Galerietätigkeit nenne ich immer so mein zweites Leben. Im sogenannten „richtigen Leben“ betreibe ich selbstständig eine Handelsagentur seit 27 Jahren mit einem kleinen Team. Wir arbeiten europaweit. Da war viel Aufbauarbeit und Tätigkeit notwendig und irgendwann war es aber so, dass man das Gefühl hatte, das ist jetzt gut. Die Schweizer würden sagen „aufgegleist“ – das läuft! Es läuft natürlich nicht ganz von alleine, aber es läuft so, dass man sich auch neuen Herausforderungen stellen kann. Dann kam der Punkt zu sagen: „was war ein lang gehegter Wunsch?“. Und das war die Idee Leute zusammen zu bringen. Also weniger missionierend in Richtung Kunst und schon gar nicht belehrend. Ich bin kein Kunsthistoriker, ich bin gelernter Jurist und Betriebswirt, komme also aus einer ganz anderen Ecke. Aber ich fand die Idee spannend, Leute zusammen zu bringen. Außerdem, und das ist jetzt meine persönliche Meinung, soll auch nicht arrogant oder überheblich klingen, aber ich fand es oftmals bei anderen Vernissagen wenig prickelnd, dass die Leute entweder dagestanden sind, stumm, sprachlos und keiner ging auf den anderen zu. Oder man hatte die Gelegenheit von einem Kunsthistoriker „kurz“ eine dreiviertel Stunde lang in ein Kunstwerk eingeführt zu werden und hinterher wusste man eigentlich auch nicht was denn da passiert war. Also das wollten wir sozusagen nicht!

XW: Der Grundsatz Ihrer Galerie ist der Verkauf von Unikaten und bei der Fotokunst nummerierte, limitierte und signierte Auflagen. Was macht den Kunstmarkt für Sie so interessant?
Steyer: Wir nennen uns eine Plattform für Kunst, Kultur und Kommunikation. Natürlich bringen wir Kaufinteressenten und Künstler zusammen. Davon leben die Künstler, davon müssen auch wir leben. Eine Möglichkeit der Vermarktung ist:  man kann mit großen Namen jonglieren. Das ist dann a) ein Fulltimejob und b) die Schwierigkeit zu verkaufen verlagert sich in andere Dimensionen. Das heißt sie löst sich auch nicht. Wir wollten einen anderen Weg gehen. Wir wollen sowohl jungen Künstlern als auch unbekannten Künstlern eine Chance geben. Und dafür haben wir ganz langsam und über die Jahre hinweg ein wirklich treues Publikum, eigentlich möchte ich fast sagen Freunde, herangezogen, die gerne wieder zu uns kommen und die dann sagen: „Mensch, schön, hier finden wir auch mal etwas anderes“. Das ist dann auch unsere Zielrichtung.

XW: Welche Anforderungen werden denn an Sie als Galerist gestellt? Man braucht ja nicht nur die Passion, man agiert ja auch als Händler, Agent oder Berater.
Steyer: In erster Linie möchte ich sagen, vielleicht als Gegenpol zu meinem sonstigen Geschäft, wo es immer nur um Daten, Zahlen und Fakten geht, ist hier ein Bauchgefühl und eine Spontanität und auch ein gewisses Sponsoring seitens der Galerie ein entscheidendes Element.

XW: Seit dem 16. März 2017 stellt die Weinheimerin Uli Pospiech ihre Malereien und Plastiken bei Ihnen aus. Wie haben Sie sich kennengelernt und was finden Sie an ihrer Kunst bemerkenswert?
Steyer: Das Kennenlernen passt zu dem was ich vorher bereits erwähnte: Viele Dinge sind gar nicht geplant, aber die Entscheidungen sind dann um so herzlicher, tiefer und nachhaltiger. Wir sind über einen ganz privaten Bereich zusammengekommen. Und bei der Gelegenheit kam es dann zu den Fragen „Was machst Du, was macht Ihr“ usw. Das kam dann eigentlich ganz spontan. Wir bekommen wirklich viele Anfragen von Künstlern, wo man dann immer sagt, ja wir schauen einmal und es bleibt dann unverbindlich. Bei dieser Künstlerin muss ich sagen, war es dann so eine Komponente. Zum einen, die Spontanität der Künstlerin, die wirklich mit Ihrer Kunst lebt. Die auch in Ihrer Kunst, in den Bildern, in den Skulpturen lebt. Zum anderen einfach auch in diesem Fall das Portfolio. Sie hat sowohl bei den Bildern gegenständlich bezogen bis hin zu den Farbkompositionen den einen Bereich abgedeckt, als auch den Bronze- und den anderen Skulpturenteil.

XW: Der Kritiker Jerry Saltz schrieb einmal vom drohenden Tod der Galerieausstellungen. Er führte dabei Faktoren wie Kunstmessen an. Teilen Sie seine Befürchtung?
Steyer: Ein klares Jein! Das Galeriebrot ist ein Hartes. Da brauchen wir keine euphemistischen Umschreibungen. Das erlaube ich mir auch zu sagen, wenn ich zum Beispiel bei Kollegen vorbeischaue - soweit man bei den Kollegen dafür ein offenes Ohr findet - wird es auch so sein, dass es einfach schwierig ist heute a) das richtige Publikum zu bekommen und b) wir sind im Schwabenländle, da wird der Geldbeutel auch nicht so schnell aufgemacht. Und wenn dann schon jemand mit leuchtenden Augen an einem Bild hängt, dann heißt es noch immer: „Ich weiß nicht ob wir noch Platz zu Hause haben.“ Also die Kaufentscheidungen sind tatsächlich zum einen meistens von Frauen getragen und zum anderen spontan. Es gibt die Kunstmessen, wir haben sie auch hier in Stuttgart und Umgebung immer wieder. Ich sehe da keine Konkurrenz. Wir sind da einfach mit einem anderen Konzept aufgestellt. Man könnte jetzt sogar den Faden noch weiterspinnen und sagen: „Macht uns als Galerie das Internet kaputt?“ Es gibt ja auch da die Möglichkeit Kunst zu erwerben. Und da muss ich sagen, nicht aus der Beharrlichkeit, sondern aus der erfreulichen Erfahrung, dass eben unsere Galeriefreunde immer wieder kommen, zeigt es doch, man hat als Galerie auch noch eine Berechtigung.

XW: Sie bieten auf Ihrer Website auch Ihren eigenen Kunstmarkt an. Wie ist denn da das Verhältnis – kommen über die Kommunikation über die Neuen Medien auch neue und mehr Anfragen rein oder hält sich der Handel bei Ihnen eher vor Ort?
Steyer: Unsere ganz klare Zielausrichtung im täglichen Leben ist ganz klar, dass wir hier unser Ding machen über die Vernissagen, über Sonderausstellungen- und Events. Wir machen auch mal Events hier im Rahmen einer Ausstellung. Das Medium Internet wird von uns gar nicht aktiv betrieben.

XW: Welche Projekte stehen bei Ihnen in der Zukunft an?
Steyer: Es mag vom Grundkonzept jetzt ein wenig langweilig klingen, wir wollen aber nach wie vor internationale, junge, interessante Künstler fördern. Unser Bogen ist sehr weit gespannt. Wir haben das schon gemacht über Fotoausstellungen, Skulpturen, Bilder. Wir werden dieses Konzept weiterführen, dass wir wenigstens vierteljährlich eine Ausstellung machen.

© 2017 – x-working

Wähle Artikel

x-working Kunstmagazin - das Redaktionsteam

Diese Autoren und Übersetzer schreiben für das x-working Kunstmagazin:

Profile picture for user sonja.bachmann
Sonja
Bachmann
Literarische Kunst
Profile picture for user sonja_bachmann
Sonja
Bachmann
Profile picture for user Eugenia
Eugenia
Kistereva
Zeichnen
Profile picture for user giuliana_koch
Giuliana
Koch
Literarische Kunst
Profile picture for user mercedes_llorente
Mercè
Llorente
Literarische Kunst
Profile picture for user Giulia
Giulia
Mi
Schauspielkunst
Profile picture for user annelie_neumann
Annelie
Neumann
Literarische Kunst
Profile picture for user Daria_Ivanova
Дарья
Иванова
Literarische Kunst