Islamabad
, 18. Oktober 2016
Ausdruck einer uralten indischen Tradition

Die Kunst des Mehndi

Mehndis sind kunstvolle ornamentale Körperbemalungen, die in Indien, Persien, den arabischen Kernländern, Marokko, Mauretanien, Tunesien, Ägypten und dem Sudan besonders zu Hochzeiten angewandt werden. Dabei bekommt die Braut zwei Tage vor ihrer Hochzeit eine kunstvolle Bemalung auf ihren Händen, Armen und Füßen.

x-working Ein Hochzeitsmehndi dauert bis zu neun Stunden.
Ein Hochzeitsmehndi dauert bis zu neun Stunden.

Angeblich soll die Tradition des Mehndi aus Rajasthan, dem Wüstenstaat im Norden Indiens, kommen. Ursprünglich schmierte man sich dort die zerstoßenen Hennablätter und Wasser zur Abkühlung auf Kopf, Hände und Füße. Nicht nur die Paste erfrischte, sondern auch die Farbe, die sie hinterließ. Irgendwann stellten die Wüstenfrauen fest, dass man sogar Ornamente mit Lücken dazwischen zeichnen konnte und der Kühlungseffekt immer noch anhielt. So entstand die Mehndi-Kunst.

In Indien sieht man viele Frauen mit Mehndis. Die filigranen braunen Ornamente ziehen sich wie elegante Spitzenhandschuhe von den Fingerspitzen bis zu den Oberarmen hoch. Die uralte Tradition rührt von der Hochzeitsbemalung der Bräute. Die Motive sind Ranken, Götter, Figuren und Tiere. Sie gelten allesamt als glücksverheißend. Ebenso wie die dunkelbraune Farbtönung des Mehndi. Da das Henna durch Fermentation wirkt, ist eine mehrstündige Einwirkzeit nötig. Je länger, desto dunkler und langlebiger das Mehndi.

Bei einer Mehndi-Zeremonie werden zwei Tage vor einer Hochzeit die Braut und deren Freundinnen mit Mehndis bemalt. Sobald das Mehndi dann bei der Braut aufgetragen ist, verlässt sie nicht mehr das Haus. Das ist eine Tradition. So kann die Braut direkt vor der Hochzeit keine Einkäufe mehr machen und nichts mehr vorbereiten. Sie ist gezwungen zu entspannen. Ein alter Volksmund sagt auch, dass je dunkler das Mehndi einer Braut ist, desto tiefer die Liebe des Bräutigams und der Schwiegermutter. Tatsächlich gibt die Färbung des Mehndis jedoch Auskunft über den sozialen Status einer Braut. Die stundenlange Einwirkzeit kann sich nur leisten, wer genügend Helferinnen hat, die der Braut jeden Handgriff abnehmen. In einer Gesellschaft wie der Indischen, die körperliche Arbeit strikt an ihre niederen Kasten abgibt, ist ein Luxus dieser Art bedeutsam.

Das Mehndi hat sich aber auch als Modeaccessoire durchgesetzt. Die Farbe, die aus jungen, ultrafeinen Trieben des Hennastrauchs gewonnen wird, hält zehn bis 14 Tage. Es gibt bisweilen sogar Mehndi-Wettbewerbe, wo sich die Künstlerinnen in Schnelligkeit und Motiven zu übertreffen suchen. Dahingegen bieten viele Inder die Körperbemalung abends auf den Straßen der Großstädte an. Sie nutzen dabei jedoch oft die schwarze Hennapaste. Diese ist meist mit dem Haarfärbemittel PPD zugesetzt und kann schwere allergische Reaktionen auslösen. Ärzte empfehlen deswegen vorsichtig zu sein, wenn man von „Mehndikünstlern“ oder Kosmetikfirmen schwarzfärbende Hennatattoos- und pasten angeboten bekommt.

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