Berlin
, 23. Februar 2017
Was machen eigentlich…?

Tangerine Dream

Nach dem Tod von Edgar Froese (2015), dem Gründungsmitglied von Tangerine Dream, ist es um die Elektro-Pioniere sehr ruhig geworden. Aber es gibt sie noch, wie gewohnt immer in neuen Formationen. Wir blicken zurück auf den beeindruckenden Weg einer der wohl bedeutendsten Vertreter elektronischer Bandmusik.

x-working Tangerine Dream in Eberswalde zur Eröffnung des Paul Wunderlich Hauses im Jahr 2007 ©Ralf Roletschek
Tangerine Dream in Eberswalde zur Eröffnung des Paul Wunderlich Hauses im Jahr 2007 ©Ralf Roletschek

In eine Schublade kann man die Band Tangerine Dream wohl nicht stecken. Neben Ash Ra Tempel und Agitation Free sind sie die Wegbereiter der Berliner Schule gewesen. Der Stil der Berliner Schule zeichnete sich durch lange Stücke, sich wiederholende und modifizierte Sequenzen und ausgeprägte Soli aus. Dabei kommen Synthesizer sowie Mellotronsounds zum Einsatz.

In den Anfangszeiten versuchte man die Band dem Krautrock zuzuordnen. Auch wurde oftmals behauptet, Tangerine Dream mache New Age Musik. Dies lag nahe, da die Band auch in dieser Kategorie mehrmals für den Grammy nominiert war. Doch Froese und seine Kollegen selbst distanzierten sich stets von dieser Kategorisierung. Weitere Versuche, Tangerine Dream einzuordnen, waren Stilrichtungen wie Progressive Rock, Sinfonische Musik oder eine Form von Ambient.

Es war das Jahr 1967, als Edgar Froese die Band ins Leben rief. Damals noch mit klassischen Instrumenten wie Violine, Flöte, Schlagzeug, Bass und Gesang belegt, trat die Band auf Studentenpartys und Kunst-Events auf. 1969 trennte sich die Combo zunächst wieder. Zusammen mit Conny Schnitzler und dem Multiinstrumentalist und Klangpionier Klaus Schulze lebte Tangerine Dream jedoch als Studioprojekt weiter. 1970 erschien sodann das hochexperimentelle Album „Electronic Meditation“.

Nachdem Schulze sich dem Ash Ra Tempel anschloß und Schnitzler eine Solokarriere startete, holte sich Froese neue Mitstreiter ins Boot. Als Keyboarder gewann er Steve Schroyder, der wie ein Verrückter mit synthetischen Klängen experimentierte. Leider musste dieser nach erfolgreichen Alben, die unter anderem in Frankreich, den USA und auch inJapan extrem gut ankamen, wegen zunehmenden Drogenproblemen aus der Band ausscheiden. Sein Nachfolger wurde Peter Baumann, der maßgeblich dafür verantwortlich war, dass Tangerine Dream fast ihre gesamten Instrumente verkaufte und sich einen ultramodernen Synthesizer zulegte.

Ende der 70er produzierte die Elektro-Band dann bedeutende Alben. „Zeit und Atem“, „Alpha Centauri“ und „Phaedra“, welches von Radio-Legende John Peel rauf und runter gespielt wurde. Virgin nahm das Trio daraufhin unter Vertrag. Der unkommerzielle Sound von Tangerine Dream hat es in den Mainstream geschafft.

In den 80er und 90er Jahren wurde es bereits etwas ruhiger um Tangerine Dream. Froese stellte immer wieder neue Musiker ein und blieb stets seinem Motto treu: „Was ich auf dem Kamm blasen kann, das kann ich auch in einer Sinfonie ausdrücken.“

Froese starb letztendlich 2015 an den Folgen einer Lungenembolie. Einer seiner letzten Arbeiten war die Zusammenarbeit mit Jean Michel Jarre an dessen Kollaborationsalbum „Electronica“. Momentan haben Tangerine Dream Auftritte in der Dreier-Besetzung mit T. Quäschning, H. Yamane und U. Schnauss. Froese habe es gewollt, dass die Band in seinem Sinne weiter existiert.

© 2017 – x-working

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