New York
, 14. April 2017
Kunst 2.0 – Pixel statt Pinsel

Virtual Body

Wo einst Farbauftrag und Pinselduktus von Interesse waren, sind es heute GIF-Dateien, Verschlüsselungscodes und ASCII. Kunst wird schon lange nicht mehr nur analog und mit Pinselstrichen gemacht. Doch mit der digitalen Kunst ändert sich auch die Selbstwahrnehmung und Darstellung von Körpern. Über die digitale Kunst und ihre Möglichkeiten: 

x-working Virtual Body – Wenn Kunst vom Analogen ins Digitale wechselt und Pinsel gegen Pixel eingetauscht werden
Virtual Body – Wenn Kunst vom Analogen ins Digitale wechselt und Pinsel gegen Pixel eingetauscht werden

Wenn aus Daten Kunst wird
Sie erinnern an einen Blick durchs Kaleidoskop: Die ornamentartigen Gebilde wirken mal geometrisch, mal floral und stehen nie still. Dazu erklingt ein elektrisch erzeugtes Brummen eines Didgeridoos. Doch was der Betrachter hier zu sehen bekommt, sind verwandelte Hormonlevel Neugeborener. Mithilfe eines algorithmischen Verfahrens werden die Daten in animierte Grafiken verwandelt. Die Idee hierfür hatte die Künstlerin Huang Siying: „Jeder Mensch hat ein anderes Hormonlevel bei der Geburt. Die Daten, mit denen ich arbeite, stammen aus einer Internet-Datenbank. Mithilfe des Algorithmus kann ich unendlich viele Formen generieren. Dazu hört man diesen archaischen Sound der Didgeridoos. Ich möchte versuchen, den Schmerz und das Lebendige des Geburtsprozesses in meiner Kunst zusammenzubringen“, so die Künstlerin in einem Deutschlandfunk-Interview.

Doch dieses Beispiel ist nur eines das verdeutlicht, welche Möglichkeiten uns die digitale Formensprache eröffnet. Als Vater der digitalen Kunst lässt sich der US-amerikanische Künstler Laurence Gartel feiern. Schon Ende der 70er Jahre fotografierte er ein Video, bearbeitete es und nahm das Ergebnis wieder als Foto auf. Die digitale Kunst war geboren.

Berühmt sind auch längst die Pamela-Anderson-Werke des einstigen New Yorker Malers Mark Napier. Eine Venus 2.0. schuf er mit Internetbildern von ihr. Möglich machte dies eine von ihm entwickelte Software, mit dem die einzelnen Körperteile der Sex-Ikone anhand von Internetbildern zusammengesetzt wurden.

Auch das NRW-Forum Düsseldorf zeigte letztes Jahr eine Ausstellung passend zur Thematik Virtual Body. Fest steht: Unsere Selbstwahrnehmung und die Darstellung der Körper ist dank digitaler Formensprache und ihren vielfältigen Möglichkeiten eine andere geworden. Es bleibt spannend, wohin uns die digitale Kunst führt.

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