Wuppertal
, 28. Februar 2017
„Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt."

Pina Bausch und das Tanztheater

Pina Bausch gilt als Pionierin des Tanztheater und eine der einflußreichsten Choreographinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr künstlerischer Stil, die sie mit ihrer Kompanie entwickelte, verband den Tanz auf einzigartige Weise mit dem Schauspiel und der künstlerischen Performance. Wir stellen die Tanz-Ikone Pina Bausch vor.

x-working Pina Bausch im Januar 2009 mit Tänzern ihrer Kompanie des Tanztheaters Wuppertal, (c) Leafar
Pina Bausch im Januar 2009 mit Tänzern ihrer Kompanie des Tanztheaters Wuppertal, (c) Leafar

Als Philippine Bausch wird sie 1940 in Solingen geboren. Ihre Eltern leiteten dort eine Gaststätte, in der Pina mit ihren Geschwistern bereits in der Kindheit aushalf. Von frühen Kindheitstagen an beobachtete sie die Menschen. Versuchte zu verstehen, was sie in ihrem tiefsten Grund bewegte. In manch einem ihrer späteren Stücke wird diese Kindheitsatmosphäre aufgegriffen. Menschen kommen und gehen und erzählen von ihrer Sehnsucht nach dem Glück.

Mit 14 Jahren beginnt Pina Bausch eine Tanzausbildung an der Essener Folkwang Hochschule unter Kurt Jooss. Jooss galt damals als ein bedeutender Vertreter der deutschen Tanzmoderne um den Zweiten Weltkrieg. An der Folkwang Schule lehrte man damals noch gleichsam andere Künste, wie Oper, Musik, Schauspiel, Bildhauerei, Malerei, Fotografie, Design u.v.m. Dies war wohl der Grund für Pinas Offenheit in ihren wegbereitenden Choreographien.

Das Mädchen erhielt 1958 ein Stipendium und ging damit an die berühmte Juilliard School of Music nach New York, wo sie in die Tiefen des amerikanischen Modern Dance eintauchte. Die Metropole in den USA war damals das Tanz-Mekka der Welt. Begeistert von der künstlerischen Vielfältigkeit New Yorks, verlängerte sie ihren Aufenthalt um ein weiteres Jahr.

Kurt Jooss bat Pina zurück nach Essen zu kommen, um das Folkwang-Tanzstudio neu aufleben zu lassen. Da zu wenige Stücke für das Ballett vorhanden waren, begann Pina nun auch selbst zu choreographieren. Ihre ersten Stücke „Fragment“ oder „Im Wind der Zeit“ wurden zu dieser Zeit bereits prämiert. Zur Spielzeit 1973/1974 engagierte sie dann der Wuppertaler Intendant Arno Wüstenhöfer als Leiterin des Wuppertaler Balletts, welches sie schnell in Tanztheater umbenannte. Hier änderte sich nach und nach ihr Stil. Mit den Stücken „Sieben Todsünden“ und „Blaubart“ verband Pina Bausch das erste Mal Gesang, Pantomime, Sprache und Alltagsgesten.

Pina Bauschs Herangehensweise, mit ihrer Kompanie zu arbeiten, waren bis dahin einzigartig. Sie arbeitete mit ihren Tänzern sehr eng zusammen und band sie in ihre Collagen und Montagen mit ein. Ihre Stücke handelten von sehr persönlichen, aber gleichsam auch universellen Themen wie Angst, Wut, Tod, Verlassenwerden, Sehnsucht, Liebe und dem Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Während ihre frühen Stücke noch ein Stück weit mehr Hoffnungslosigkeit und Kälte propagieren, weichen diese negativen Gefühle in den späteren Stücken einer immer größer werdenden Lebenslust.

Pina Bausch starb im Juni 2009. Zu dieser Zeit begann Wim Wenders einen Film in 3D-Technik über sie zu drehen. Der Film wurde, dank der großartigen Zusammenarbeit mit Pina Bausch`s Kompanie, auf der Berlinale 2011 uraufgeführt. Für das künstlerische Vermächtnis der Star-Choreographin gründete der Lebensgefährte Ronald Key und ihr gemeinsamer Sohn Salomon Bausch, die Pina-Bausch-Stiftung. Ihre Stücke werden am Tanztheater Wuppertal bis heute aufgeführt.

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