Berlin
, 17. September 2016
Das ist ein Drahtseilakt!

Artistische Darbietungen am Rande des Todes

„Auf dem Seil ist der Tod immer dabei. Das ist gut, denn so muss man die Sache ernst nehmen“, sagte einmal Philippe Petit, der wohl berühmteste Seiltänzer der Welt. Er balancierte 1974 insgesamt achtmal in einer Höhe von 417 Metern von einem Dach des World Trade Centers zum anderen. Wir schauen uns die Geschichte des Seiltanzes an und die verschiedenen Formen, die die Kunst des Seiltanzes ausmachen.

x-working Diese junge Frau führt einen Tanz an Seilen auf.
Diese junge Frau führt einen Tanz an Seilen auf.

Das Seiltanzen lässt sich auf die Antike bei den Griechen und auf die alten Römer zurückführen. Früher unterschied man zwischen den Seilarten „Funambuli“ (starke Seile) und „Neurobatae“ (Darmsaiten). Etwas später in der Geschichte kamen dann von Indien und Ägypten Seiltänzer nach Konstantinopel und auch im Mittelalter gab es Aufzeichnungen von indischen, persischen und morgenländischen Gauklern, die die Kunst des Seiltanzens ausübten. Den typischen Drahtseilakt gab es dann erst mit der Erfindung des Drahtseils 1834.

Heutzutage unterscheidet man generell zwischen dem Schlappseil, dem Tanzseil und dem Hochseil. Das Schlappseil ist ein zwischen festen Punkten lose hängendes Seil. Die Artistik mit dem Schlappseil ist mittlerweile nicht mehr nur eine artistische Kunst, sondern auch eine Trendsportart namens Slackline. Das Tanzseil wird etwa in derselben Höhe wie das Schlappseil befestigt, meistens etwa in vier Metern Höhe. Den Unterschied zum Schlappseil macht die Zugkraft, die bei dem Tanzseil bis zu 40kN gespannt ist. Auf dem Tanzseil können Artisten Sprünge, Drehungen und Schrittfolgen darbieten, die aufgrund der besseren Federung leichter machbar sind. Bei dem Hochseil sprechen wir vom stark gespannten Drahtseil. Es wird, wie der Name schon sagt, in großer Höhe gespannt. Hochseilläufer benutzen oft eine Balancierstange um einen größeren Trägheitsmoment und einen tieferen Schwerpunkt zu erlangen. Dies erleichtert das Balancieren. Auf den gespannten Hochseilen können Artistiken wie Bögen, Spagat, Sprünge oder Radschläge gemacht werden. Manche Artisten fahren mit einem Einrad auf dem Drahtseil oder setzen sich mit einem Stuhl darauf.

Im 20. Jahrhundert übertrafen sich große Drahtseilartisten mit ihren Aktionen. Legendär sind die illegalen Drahtseilakte von Philippe Petit. Bevor er zwischen den Türmen des World Trade Centers balancierte, war er bereits zwischen den Kirchtürmen von Notre Dame und zwischen den Brückentürmen der Sydney Harbour Bridge unterwegs. Sein Drahtseilakt zwischen den Türmen des World Trade Centers wurde zudem unlängst verfilmt. Der mit einem Oscar prämierte und von der Presse bei seiner Kinopremiere gefeierte, poetische Dokumentarfilm „Man on Wire“ von James Marsh, lässt Petits zweckfreie Großtat noch einmal vor uns entstehen.

Auch Nik Wallenda ist einer der ganz Großen Drahtseilartisten. Er wurde bereits in eine Artistenfamilie geboren und stand bereits im zarten Alter von zwei Jahren auf dem Seil. Große Aufmerksamkeit bekam er 2012 als er über die Niagarafälle balancierte. Spektakulär war auch im darauffolgenden Jahr sein Lauf auf einem 425 Meter langen Hochseil in 457 Metern Höhe über eine Schlucht des Little Colorado Rivers, nahe dem Grand Canyon Nationalpark.

© 2016 – x-working

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